Kooperation und Netzwerkbildung als Erfolgsfaktoren für ein selbstbestimmtes Leben im Alter

© Arlt, BMFSFJ
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Acht Projekte und zwei Landkreise stellen sich in Werkstattgespräch vor und diskutieren Lösungen für alle Altersgruppen

Kooperation und Netzwerkbildung sind in aller Munde. Was aber bedeutet das für die tägliche Praxis, wenn es heißt, das selbstbestimmte Leben und Wohnen älterer Menschen gezielt zu unterstützen? Um die Möglichkeiten, Herausforderungen und Grenzen von Kooperation und Netzwerkbildung auszuloten, hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zusammen mit dem Deutschen Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung am 30. Januar 2014 zu einem Werkstattgespräch nach Berlin eingeladen. Gemeinsam mit den im Programm „Anlaufstellen für ältere Menschen“ vertretenen acht Projekten aus den brandenburgischen Landkreisen Teltow-Fläming und Elbe-Elster wurden hierfür zukunftsweisende Ideen und Maßnahmen vorgestellt. Auch die beiden zuständigen Dezernenten der Landkreise, Kirsten Gurske für Teltow-Fläming und Roland Neumann für Elbe-Elster, die mit ihrem Votum bei der Projektauswahl beteiligt waren, gaben Einblick in ihre Schwerpunktthemen Pflege, Wohnen und bürgerschaftliches Engagement.

Lösungsansätze aus den Landkreisen Elbe-Elster und Teltow-Fläming

Berichtet wurde über die verschiedenen Facetten von Kooperation vor Ort, die es überhaupt erst ermöglichen, dass bedarfsgerechte Unterstützungsangebote im direkten Wohn- und Lebensumfeld von Seniorinnen und Senioren entstehen. Es fällt auf, dass fast alle vorgestellten Beispiele dem Ansatz nach generationsübergreifend sind und damit dem sozialen Inklusionsbedarf entsprechen. So werden zum Beispiel in Kommunen in Kooperation mit freien Trägern Mehrgenerationenparks aufgebaut oder bereits bestehende Angebote für Jung und Alt erweitert. Gleiches gilt für Mehrgenerationenhäuser, die im Rahmen des Programms barrierefrei umgebaut werden. Orte der Begegnung zwischen Jung und Alt können auch dort entstehen, wo Liegenschaften in eine neue Nutzung überführt werden. Ein altes Bahnhofgelände wird zur Begegnungsstätte oder ein nur noch in Teilen in Betrieb stehendes Schulgebäude zum „Campus der Generationen“. Das örtliche Handwerk wird als wichtiger Kooperationspartner erkannt. So werden in einem Schulungsprogramm Handwerksunternehmen zum Gesundheitsdienstleister qualifiziert, um dann gemeinsam mit Kranken- und Pflegekassen, Kommunen sowie Angehörigen im Bedarfsfall bauliche Anpassungen oder Ausstattungsmaßnahmen für den längeren Verbleib in den eigenen vier Wänden vorzunehmen. 

Erfreulich ist: Es gibt zum Teil Berührungspunkte und Kooperationsansätze der Projekte sogar über Landkreisgrenzen hinaus – die von den Beteiligten gar nicht mehr als hervorzuhebende Errungenschaft, sondern wie selbstverständlich angesehen werden. Eine Art Zielmarke für das, was wir uns auf diesem Gebiet erhoffen.

Altersgerechte Quartiere kooperativ gestalten

Die vorgestellten Projekte zielen darauf, niedrigschwellige Beratungs- und Unterstützungsangebote für ältere Menschen – besonders auch unter deren Einbindung selbst –  umzusetzen. Dafür müssen alle relevanten Akteure beteiligt,  Bedarfe analysiert und ein abgestimmtes, strategisches Konzept erarbeitet  werden. Auf dieser Grundlage lassen sich gemeinsam Lösungen finden und mitunter auch neue, wegweisende Ideen entwickeln. Kooperation bedeutet hiermit Arbeitsteilung, Ressourcenbündelung und Aktivierung der Zivilgesellschaft – ein wechselseitiges  Miteinander von Kommunen, Wohlfahrtsorganisationen, freien Trägern und Verbänden, Stiftungen, Sozial- und Wohnungswirtschaft. Freiwilliges Engagement ist das Bindemittel in diesem Prozess, ohne das eine nachhaltige Entwicklung nicht möglich ist.

Fakt ist aber auch, dass freiwilliges Engagement bei aller Berechtigung und Notwendigkeit nicht überfordert werden darf. Vielmehr braucht es verlässliche, hauptamtliche Strukturen, die Unterstützungsprozesse steuern, koordinieren und unterstützen. Freiwilliges Engagement ist hierbei eine sinnvolle, effektive und unverzichtbare Ergänzung. Die acht vorgestellten Projekte der beiden Landkreise zeigen, dass Kooperation nicht nur projektbezogen stattfindet, sondern unter kommunaler Federführung eine der  Grundvoraussetzungen für die Gestaltung zukunftsfähiger, demographiefester Angebotsstrukturen  ist. Zentrale Handlungsebene sind dabei Quartiere und Nachbarschaften, die familienähnliche Strukturen übernehmen und wohnortnah die verschiedenen Bedarfe abdecken. Gemeinschaftsbildung, soziale Teilhabe, Betreuung und bauliche Strukturen greifen ineinander. Das altersgerechte Quartier wird so zu einem Quartier  für alle.

Kooperation braucht Moderation

Das Gelingen von Kooperation und Netzwerkbildung hängt vor allem an zweierlei: Information und Kommunikation der Akteure, Austausch und Ausgleich von Interessen. Den Kommunen kommt dabei eine Moderatoren- und Mittlerfunktion zu. Denn Kooperation und Netzwerke brauchen genau das: Macher und Denker, die gemeinsam etwas schaffen wollen. Spannungsfelder gilt es, aktiv anzugehen und im vertieften Dialog Positionen und Erfahrungen auszutauschen. Ganz im Sinne der „Sorgenden Gemeinschaften“ werden so Möglichkeiten aufgezeigt, wie das Querschnittsthema des selbstbestimmten Lebens und Wohnens im Alter aktiv gestaltet und als Chance für eine gedeihliche gesellschaftliche und soziale Entwicklung genutzt werden kann.

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